Infarkt-Netzwerke - Österreichischer Herzfonds

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Rund ums Herz


Herzinfarkt-Netzwerke in Österreich

Prof. Pachinger, Prof. Huber und Doz. Geppert über die Symptome und die Wichtigkeit einer raschen Behandlung eines Herzinfarkts:


Ein schmerzhafter Druck auf der Brust, Übelkeit, Kraftlosigkeit. Nur einige Symptome, die an einen schweren Herzinfarkt denken lassen sollten. Nicht immer sind die Anzeichen so deutlich. "Der Schmerz ist in seiner Intensität sehr unterschiedlich, manchmal ist es ein unangenehmer, bleibender Druckschmerz. Wichtig ist, dass diese Schmerzen bestehen bleiben. Wenn sie länger als 15 Minuten andauern, dann sollte man ärztliche Hilfe suchen und am besten die Rettung unter 144 anrufen. Manche dieser Beschwerden sind nicht nur auf die Brust lokalisiert sondern strahlen aus, am häufigsten im Bereich linke Schulter, linker Arm oder auch in den linken Kieferbereich.

Es gibt aber auch ausstrahlende Schmerzen in der rechten Seite. Diese Schmerzen sind nicht so typisch und werden daher oft auch nicht mit dem Herz in Verbindung gebracht.

Auch Beschwerden, die man nur in Bauch oder Rücken spürt, werden oft nicht mit dem Herzen assoziiert. Dabei handelt es sich hierbei oft um Hinterwandinfarkte. Die Vermutung, etwas Schlechtes gegessen zu haben oder an eine Magenentzündung, liegt oft nahe.", so Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Leiter der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie am Wilhelminenspital Wien. Das Problem bei einem unbehandelten Herzinfarkt ist aber die Zeit. Minütlich stirbt Herzmuskel ab – Areale, die unwiederbringlich verloren sind, aber für eine gute Herzfunktion dringend benötigt werden. Der Innsbrucker Kardiologe und Universitätsprofessor Dr. Otmar Pachinger, setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Herzinfarktpatienten rasch ärztliche Hilfe bekommen und ebenso rasch in ein geeignetes Herzzentrum gebracht werden. "Zeit spielt eine enorme Rolle beim akuten Herzinfarkt. Ein Infarkt ist in über 80% der Fälle dadurch verursacht, dass ein Herzkranzgefäß verschlossen ist. Je länger das Gefäß verschlossen bleibt, desto größer ist der Herzinfarkt und desto größer ist auch der bleibende Schaden. Je schneller es also gelingt, einen Gefäßverschluss wieder zu eröffnen, umso mehr profitiert der Patient bezüglich der Akutsituation aber auch in seinem Langzeitschicksal."

Notfallmediziner sprechen von der goldenen Stunde – damit sind die ersten Stunden nach Schmerz- oder Symptombeginn gemeint. In dieser Zeit sollte es gelingen, den Gefäßverschluss im Herzen zu beheben.

Prof. Pachinger dazu: "Der Herzinfarkt ist nicht sofort mit dem Verschluss des Gefäßes abgeschlossen. Es handelt sich um einen dynamischen Prozess über die Zeit. Man kann davon ausgehen, dass Herzmuskel nach 4 bis 6 Stunden nicht mehr am Leben erhalten werden kann. In den ersten 4 Stunden kann sehr wirkungsvoll in den letztendlich bleibenden Schaden eingegriffen werden, am besten in den ersten beiden Stunden."
Die gefährlichsten Komplikationen beim Herzinfarkt sind lebensbedrohliche Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder auch der drohende Herzstillstand. Ist dies eingetreten, bleibt meist nur mehr der Versuch der Herz-Lungen-Wiederbelebung, um den Patienten zu retten. Hier zählt dann sogar jede Sekunde, so der Leiter der Kardiologischen Intensivstation am Wiener Wilhelminenspital Univ. Doz. Dr. Alexander Geppert: "Bei einem Kreislaufstillstand zählt jede Minute, sonst sind mit irreversiblen Störungen des Gehirns zu rechnen, die so schwerwiegend sein können, dass der Patient gar nicht mehr zu Bewusstsein kommt, zum Pflegefall wird oder verstirbt."

Nichts tun ist das Schlimmste! Richtig ist: Notruf 144 wählen, 80-100 Herzdruckmassagen pro Minuten und darauf achten, dass der Rettungsdienst gut eingewiesen wird. Immer öfter finden sich in öffentlichen Gebäuden auch Defibrillatoren. Diese sind sehr einfach zu bedienen. Man braucht dazu keine Vorkenntnisse. Doz. Geppert: "Defibrillatoren verbessern die Prognose ganz entscheidend, weil sie Patienten mit Rhythmusstörungen selbsttätig wieder in einen normalen Rhythmus bringen und damit einen Kreislauf wiederherstellen können."
Ziel ist es aber, solche oft tödlichen Komplikationen zu vermeiden und das absterbende Herz zu retten. Daher haben sich in Österreich zahlreiche Ärzte, sehr oft auch führende Kardiologen wie Prof. Pachinger in Innsbruck oder Prof. Huber in Wien dafür eingesetzt, sogenannte Herzinfarktnetzwerke zu schaffen. Die Aufgabe solcher Netzwerke ist die rasche Erkennung eines möglichen Herzinfarktes, eine unverzügliche und gut organisierte Rettungskette und die Zuführung des Patienten in ein geeignetes Herzzentrum mit Maximalversorgungsmöglichkeit.

"Die Nummer, die man anrufen soll, wenn die Brustschmerzen länger als 15 Minuten andauern, ist 144. Am Telefon ist dann eine kundige Person, die bei den Beschwerden noch ein bisschen nachfragen kann", so Professor Huber. Der Sinn des Netzwerkes ist, dass jeder genau weiß, was er zu tun hat, somit kann wertvolle Zeit gespart werden. Der Notfalldisponent entsendet bei entsprechendem Verdacht Notarzt und Notfallrettungsteam.

Prof. Huber: "Es wird vorort eine Diagnose gestellt, indem ein EKG geschrieben wird und bei einer gesicherten Infarktdiagnose wird der Patient in das nächstgelegene Herzkatheter-Zentrum, das verfügbar ist, gebracht."

Das Netz funktioniert österreichweit innerhalb von 30 Sekunden. Oft noch während der Telefonabfrage werden die Rettungsteams per Knopfdruck entsendet. So wie in Wien kann heute vielerorts bereits der Notarzt am Einsatzort sofort EGK und erste Diagnosewerte per Datenübertragung an die aufnehmende Klinik übermitteln. So kann sie schon während dem Patiententransport durch die Rettung das nun ebenfalls alarmierte Herzteam im Krankenhaus bestens vorbereiten.

Prof. Pachinger: "Man versucht bürokratische Wege beim Krankenhausaufenthalt zu verkürzen indem der Patient direkt über das Notarztsystem in das Herzkatheterlabor gebracht wird. Unter Umgehung einer Notfallaufnahme oder einer normalen Intensivstation und damit kann zusätzlich wertvolle Zeit eingespart werden." Im sogenannten Herzkatetherlabor mechanisch aber minimalinvasiv mittels Ballontechnik den Gefäßverschluss aufzuheben und die Herzdurchblutung wieder zu gewährleisten. Die Erfolgsrate bei dieser Methode ist weltweit hoch, Komplikationen trotz schwerer Grunderkrankungen relativ niedrig.

Prof. Huber: "Mit der Einführung dieser Optimierung der Infarktbehandlung konnte die Sterblichkeit am Herzinfarkt von im Schnitt 15% auf unter 5% gesenkt werden. Ein Patient, der eine Herzinfarktbehandlung in einem Netzwerk bekommen kann, in dem die Abläufe optimal funktionieren, hat eine sehr geringe Sterblichkeitsrate im Vergleich zu vor einigen Jahren."

NACH einem Herzinfarkt ist aber leider VOR einem Herzinfarkt - wenn es nicht gelingt, die zugrunde liegenden Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte zu minimieren.


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